Vernetzte Vernunft

Einstieg

Die Vernunft hängt am Netz. Ohne Netz, so scheint es, können wir heute keine rationalen Entscheidungen mehr treffen, können kein Wissen mehr erwerben und kein neues Wissen mehr erzeugen. Aus den Netzen ziehen wir die Informationen, die wir für vernünftige Entscheidungen brauchen, egal, ob es um die Frage geht, wohin wir in Urlaub fahren wollen, welche Partei man wählen könnte oder wie wir leben wollen.

Wir erleben gerade den Moment, dass dieses vernetzte Denken sich aus den Köpfen und Leibern der Menschen herauslöst und in das Netzwerk hinübergleitet. Noch sind wir Menschen eine notwendige Komponente an der Peripherie dieses Netzwerk-Denkens. Wahrscheinlich bleiben wir das auch noch eine ganze Weile. Das ist gar nicht das entscheidende. Wichtiger ist, ob das Netzwerk-Denken überhaupt noch ein menschliches Denken ist.

Wir können die Frage auch anders stellen: Denkt das Netzwerk, wenn es vernünftig ist? Und genügt diese Vernunft? Oder brauchen wir jenseits der Netzwerk-Vernunft noch eine irgendwie menschlich-denkende Vernunft? Und was tut die dann noch?

 

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Kirche ohne Gott und Jenseits

Einleitung

Wir leben in einer christlich geprägten Gesellschaft. Seit rund 2.000 Jahren bestimmt die christliche Religion die Traditionen, den Rhythmus der Arbeitswoche, die Feiertage, die Redewendungen. Bedeutende Kunstwerke sind von christlichen Motiven geprägt, die beeindruckende Architektur in den Städten überall in Europa verdankt ihre Entstehung und ihr Aussehen der Anbetung des christlichen Gottes. Unsere moralischen Grundsätze fassen wir, ob wir gläubige Christen sind oder nicht, in Worte, die der Heiligen Schrift dieser Religion entnommen sind. „Kirche ohne Gott und Jenseits“ weiterlesen

Der Brumaire der Piraten

Die Piraten – ein Trauerspiel?

Karl Marx bemerkt im „18. Brumaire des Louis Bonaparte“, dass die Menschen ihre Geschichte zwar selbst machen, aber nicht aus freien Stücken. Sie versuchen zwar vielleicht etwas völlig Neues, aber das Alte mit seinen Traditionen, Denkweisen und angeblichen Notwendigkeiten lässt sie nicht entkommen. Sie führen ein neues Stück in alten Kostümen auf. Die Geschichte der Piratenpartei von ihren Anfängen vor gerade einmal gut einem halben Jahrzehnt über ihren bemerkenswerten Aufstieg bis zu ihrem vorläufigen Untergang, der durch die erwartbare Niederlage bei der Bundestagswahl 2013 zwar markiert, aber keineswegs bestimmt ist, scheint nur eine weitere Illustration zu Marxens Satz zu sein. „Der Brumaire der Piraten“ weiterlesen