Wissenschaftlichkeit: Sedimentierung des Erkenntniskonsens

Wir hatten das Wissenschaftliche als Herstellung und Manipulation von Modellen als symbolischen Repräsentationen von Konstellationen beschrieben, wobei diese Modelle jeweils in einen stabilen Kotext eingebunden sind, oder, wie wir auch sagen können, die Modellmanipulationen erhalten ihre eigene Stabilität und Reproduzierbarkeit durch ihre Verankerung auf einem festen Fundament. Wir hatten gesehen, dass wir wenigstens zwei Ausprägungen dieses Wissenschaftlichen kennen: die Theoriendynamik und die Experimentalsysteme. Als wissenschaftlich erscheint uns ein Vorkommnis, das sich plausibel als Ergebnis eines solchen Prozesses der Modellmanipulationen beschreiben lässt. Die stabilisierten und reproduzierbaren Modellmanipulationen können wir als wissenschaftliche Erkenntnis betrachten. Wir hatten gesehen, dass Theoriendynamik und Experimentalsysteme gewissermaßen komplementäre Ausprägungen des Wissenschaftlichen sind: wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich Ergebnisse einer Theoriendynamik schildern, bei denen Experimente allenfalls als Prüfinstanz fungieren, oder als differenzielle Reproduktion eines Experimentalsystems, für das Theorie, wenn überhaupt, nur als Dokumentationshilfe benötigt wird.

Das verweist uns darauf, dass das Wissenschaftliche im Wesen weder im Theoretischen noch im Experimentellen besteht, und dass es auch nicht im Wechselspiel dieser beiden Ausprägungen bestehen muss. Und gewiss beobachten wir auch Ausprägungen des Wissenschaftlichen, die sich nicht ohne Anstrengungen einem dieser beiden zuordnen lassen, etwa, wenn wir versuchen, die Arbeit der Paläontologen, der Historiker, oder der Literaturwissenschaftler zu beschreiben.

Der kurze Überblick über die einflussreichsten Versuche des 20. Jahrhunderts, das Wissenschaftliche zu bestimmen, hat zunächst eines ans Licht gebracht: Das Wissenschaftliche begegnet uns als ein Produktionsprozess von Dokumenten, von Publikationen, die in speziellen Zeitschriften veröffentlicht werden. Davon nehmen wir auch in der Öffentlichkeit Kenntnis. Darüber wird in Nachrichten berichtet, die Zeitungen schreiben über gerade erschienene Studien, Experten erklären die Ergebnisse im Radio und im Fernsehen. Wir erfahren auch von spektakulären Fehlern oder Täuschungen, die zur Rücknahme solcher Publikationen führen. Von der Wissenschaft in Reinform, wenn sie noch nicht in Technisches in Form von Flugapparaten oder Reinigungsmitteln eingegangen ist, erfahren wir durch Berichte, die über Veröffentlichungen von Forschungsergebnissen informieren.

Wie wir gesehen hatten, ist die Produktion solcher Veröffentlichungen auch das zentrale Ziel der Wissenschaften. Aber nicht jede Veröffentlichung in einer Zeitschrift wird wissenschaftlich genannt. Von anderen Veröffentlichungen, über die ebenfalls in den Medien berichtet wird, unterscheidet sich die wissenschaftliche dadurch, dass sie den Anspruch hat, eine Erkenntnis zu sein. Auch journalistische Veröffentlichungen haben allerdings diesen Anspruch. Wir müssen also, auf Basis dessen, was die vorangegangenen Abschnitte über das Wissenschaftliche bereits gesagt haben, klären, was die wissenschaftliche Erkenntnis im Besonderen kennzeichnet.

Wir könnten zunächst annehmen, dass das Wissenschaftliche sich auf eine allgemeine Erkenntnis richtet, während im Journalismus etwa, wie auch in der Kunst, der Einzelfall im Fokus steht. Unsere Beispiele und die exemplarisch dargestellten Standpunkte von Wissenschaftsphilosophen könnten darauf hindeuten, dass eine wissenschaftliche Erkenntnis wiederholbar sein muss, an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit, von anderen Wissenschaftlern. Aber das trifft nicht für jede wissenschaftliche Erkenntnis zu, denn auch soziologische Feldstudien etwa sind nicht beliebig reproduzierbar, und Studien von Literaturwissenschaftlern zu einem bestimmten Werk eines bestimmten Autors haben nicht den Anspruch, dass ein anderer Wissenschaftler sie mit exakt dem gleichen Ergebnis reproduzieren kann.

Vom journalistischen und vom künstlerischen Text unterscheidet sich der wissenschaftliche nicht dadurch, dass letzterer eine allgemeine Erkenntnis enthält, die für viele gleichartige Fälle zutrifft, während die ersten eine spezielle, einen konkreten Einzelfall betreffende Erkenntnis ist, aus der allenfalls der Leser eine allgemeine Erkenntnis gewinnt. Der wissenschaftliche Text ist von vornherein so angelegt, dass er in einen Organisationsprozess von Erkenntnissen einer Gemeinschaft integriert werden kann, Der Anspruch des wissenschaftlichen Textes ist es nicht, allgemein gültig zu sein, sondern in einer Gemeinschaft, zu der der Autor oder das Autorenkollektiv gehört, gültig zu sein.

Zu diesem Zweck ist der Text, der eine neue wissenschaftliche Erkenntnis enthält, der Zeitschriftenartikel oder das „Paper“ selbst auf eine gewisse Weise organisiert. Er dokumentiert seine Erkenntnis in Form kausaler Zusammenhänge innerhalb eines Modells. Ein Modell ist die symbolische Repräsentation einer bestimmten Konstellation, die Gegenstand des wissenschaftlichen Interesses ist. Es erlaubt eine Demonstration der in ihm symbolisch beschreibbaren Kausalität.

Ein einzelner Text dieser Art muss das Modell, mit dem er sich beschäftigt, nicht selbst neu erfinden, um eine neue wissenschaftliche Erkenntnis zu dokumentieren. Die meisten Modelle sind hinsichtlich ihrer kausalen Gestaltungsmöglichkeiten so reichhaltig, dass große Forschungsprogramme mit vielen Forschern über Jahrzehnte mit seiner Ausforschung beschäftigt sein können. Jede einzelne Arbeit hat dann den Anspruch, innerhalb der Modellkonstellation eine kausale Manipulation auf neue Weise bestimmt zu haben.

Das Modell ist auf einem allgemeinen Forschungskonsens aufgebaut oder eingebettet, und auch dieser Forschungskonsens ist in bestimmten Dokumenten organisiert. Wir hatten gesagt, dass das, was Fleck als Handbuchwissenschaft bezeichnet hat, heute in verschiedenen Ausprägungen existiert: Review-Artikel, Sammelbände oder Übersichtsdarstellungen. Auch Lehrbücher können den Forschungskonsens einer Gemeinschaft darstellen, wobei es methodisch sinnvoll bleibt, die Handbuchwissenschaft von der Lehrbuchwissenschaft zu unterscheiden. Der Forschungskonsens, den wir mit Fleck als Denkstil, mit Kuhn als Paradigma oder mit Heidegger (2003, 71) als die Strenge bezeichnen können, etabliert sich in einem Aushandlungsprozess innerhalb der Gemeinschaft, und durch die Anerkennung des Konsens konstituiert sich gleichzeitig diese Gemeinschaft. Er ist selbst hierarchisch organisiert: Es gibt immer einen allgemeinen und sehr stabilen Forschungskonsens, auf dessen Basis sich speziellere und weniger stabile Paradigmen oder Denkstile ausbilden. Stabilität bedeutet hier Widerständigkeit der Forschergemeinschaft gegen Änderungen oder auch Gewissheit der Forscher, dass der jeweilige Konsens gerechtfertigt ist und nicht ohne weiteres in Frage gestellt werden darf.

Ein aktuelles Beispiel mag das illustrieren: vor einiger Zeit erschien ein Paper, in dem die Erkenntnis präsentiert wird, dass die Vögel nicht, wie bisher angenommen, von den Dinosaurieren, sondern von den Archosauriern abstammen, und dass sich der Vogelflug nicht aus einer Laufbewegung, sondern aus einer Gleitbewegung entwickelt hat (Czerkas und Feduccia, 2014). Diese Erkenntnis würde, wenn sie in den nächsten Jahren von der Forschergemeinschaft mehr und mehr akzeptiert werden würde, durchaus einen Paradigmenwechsel darstellen, das wird in dem Paper auch durchaus deutlich. Allerdings ist dieses Paradigma ein relativ spezielles. Der allgemeine Konsens, dass die Vögel sich aus Landlebewesen entwickelt haben, ist damit nicht in Frage gestellt und schon gar nicht der ganz allgemeine Konsens über die Evolution der Arten. Mag es auch einen gewissen Widerstand von anderen Forschern gegen die neue Erkenntnis geben, ein Widerstand, der sich sowohl auf durchaus berechtigte Zweifel an diesen Erkenntnissen, aber auch auf alte Denkgewohnheiten und Sorge um den Status eigener Erkenntnisse stützen kann, so wird die Forschergemeinschaft doch relativ leichten Herzens die neue Erkenntnis akzeptieren können, wenn weitere plausible Erkenntnisse sie stützen.

Dazu trägt auch bei, dass weitere allgemeine Paradigmen, nämlich die über das akzeptable Zustandekommen der Erkenntnisse, durch das Paper nicht in Frage gestellt werden. Die Methoden der Modellbildung und der Modellbearbeitung sind weithin akzeptiert, die Forscher haben keine grundsätzlich neuen, nicht etablierten Konstellationen der Untersuchung von Zusammenhängen herbeigeführt.

Betrachten wir Modelle als Konstellationen, in denen kausale Zusammenhänge symbolisch repräsentiert und untersucht werden können, dann finden wir in der Tat nicht nur in naturwissenschaftlichen Fachartikeln die beschriebene Modellstruktur. Auch die ökonomische und die soziologische Feldforschung untersuchen ihre Gegenstände, indem sie bestimmte, begrenzte Konstellationen herauspräpariert und die kausale Variabilität dieser Konstellation ausleuchtet. Das gleiche lässt sich für die historische und die kunstwissenschaftliche Forschung demonstrieren. Selbst die Philosophie, insbesondere in ihrer analytischen Ausprägung, widmet sich, zumeist in Gedankenexperimenten, bestimmten modellartigen Konstellationen, in denen sie kausale Zusammenhänge zu klären versucht.

Aber das Wissenschaftliche ist noch nicht vollständig erfasst als Produktion von Modell-Dokumentationen, in denen das kausale Verhalten der Modellkonstellation symbolisch repräsentiert wird. Zum Produktionsprozess muss ein Organisationsprozess treten, der durch die Gemeinschaft der wissenschaftlichen Forscher bestimmt und getragen wird. Heidegger (2003, 77) spricht vom Betrieb. Im Betrieb wird die Strenge gesichert, und das heißt, der Betrieb entscheidet darüber, ob der Beitrag des einzelnen Forschungsartikels eine akzeptable Erkenntnis ist, die dem Denkstil der Gemeinschaft entspricht und es wert ist, in den Fundus der Erkenntnisse der Gemeinschaft aufgenommen zu werden, ob die Erkenntnis also wissenswert ist.

Damit dieser Organisationsprozess möglich ist, ist der Einzelbeitrag selbst auf eine bestimmte, der Strenge der Gemeinschaft entsprechenden Weise organisiert. Er ordnet sich in den Denkstil der Gemeinschaft ein, er bindet sich an den Forschungskonsens an, indem er auf Dokumente der Handbuchwissenschaft verweist, und er bindet sich durch Verweise an andere Dokumente der Zeitschriftenwissenschaft, die er zu ergänzen oder zu kritisieren beansprucht. Diese Anbindung verankert seine Erkenntnisse gleichermaßen auf dem Fundament des Forschungskonsenses der Gemeinschaft. Erst auf der Basis dieser Verankerung entfaltet er seine eigene Erkenntnis als symbolische Repräsentation einer kausalen Manipulation einer Modellkonstellation.

Diese Entfaltung kann auf dreierlei Weise stattfinden. Es kann sich zum einen um eine neue Manipulation eines bereits bestehenden Modells, seine Nutzung in einem neuen Repräsentationsraum, handeln. Zum zweiten kann der Artikel die ein neues Modell, oft die Erweiterung oder Abwandlung eines bestehenden Modells vorstellen, welches ganz auf dem Fundament des bestehenden Forschungskonsenses erzeugt wird. Zum dritten kann das neue Modell, oder die Abwandlung eines bestehenden Modells, am bestehenden Konsens selbst eine Veränderung vornehmen, um neue symbolische Repräsentationen zu ermöglichen.

Ziel einer jeden Forschungsarbeit, die in einem oder mehreren zusammenhängenden Forschungsartikeln auf diese Weise öffentlich dokumentiert wird ist es, dass die darin formulierte Erkenntnis selbst Bestandteil des Forschungskonsens wird, dass sie selbst ein möglichst fester und wichtiger Ankerpunkt für die Anbindung zukünftiger Forschungsarbeiten wird. Der wissenschaftliche Produktions- und Organisationsprozess ist ein Sedimentierungsprozess, der aus locker und vorläufig miteinander verknüpften Erkenntnisse ein dichtes, lückenloses, eng verschmolzenes Gebilde erzeugt, welches „der Erkenntnisstand“ der Wissenschaft ist. Jede einzelne Forschungsarbeit hat den Anspruch, eine Lücke in diesem Gebilde zu füllen, ein Stück hinzuzufügen oder es durch einen Umbau fester und geschlossener zu machen. Keine Forschungsarbeit will das ganze Objekt zerstören, vielmehr geht es immer um die Erhöhung der Stabilität, der Festigkeit gerade von neuen Teilen, die mit den alten verbunden werden. Das kann auch bedeuten, dass aus dem bestehenden Forschungskonsens Elemente herausgelöst werden, die nicht für stabil genug gehalten werden, und durch neue ersetzt werden, die für weitere Erkenntnisse einen stabileren Anker bilden können.

Der Organisationsprozess der Verschmelzung neuer Erkenntnisse in das Gesamtgebilde gestaltet, ist die Kritik. Deshalb ist das Wissenschaftliche nicht nur zufällig ein gesellschaftlicher Prozess, und auch nicht deshalb, weil jegliches menschliches Tun letztlich gesellschaftlich organisiert ist. Es ist nur als Organisationsprozess einer Gemeinschaft denkbar, weil durch den kritischen Organisationsprozess der Körper des wissenschaftlichen Forschungskonsenses entsteht, wächst und umgestaltet wird.

Die Kritik kann sich dadurch äußern, dass die neue Erkenntnis schlicht ignoriert wird. Dann wird diese in das Gesamtgeflecht der Erkenntnisse nicht weiter eingebunden, sie verliert ihre Bindung und geht schließlich verloren. Die Kritik kann andererseits darin bestehen, dass weitere Zeitschriftenartikel auf die betreffende Erkenntnis in zustimmender oder ablehnender Art verweisen, dass sie dem Artikel, in dem sie dokumentiert wird, die Anwendung des etablierten Denkstils zubilligen oder nachzuweisen versuchen, dass der Forschungskonsens in unzulässiger Weise verlassen wurde. Damit wird die Erkenntnis zumindest im Forschungsprozess, in der weiteren Produktion von Erkenntnis, präsent gehalten, sie kann verändert, neu formuliert, oder revidiert werden. Schließlich kann die Kritik die neue Erkenntnis annehmen, indem sie sie selbst als Ankerpunkt für neue Erkenntnisformulierungen nutzt. Auf diese Weise wird eine Erkenntnis in den Denkstil selbst eingebunden, sie wird zum Teil der Handbuchwissenschaft, möglicherweise in modifizierter Form.

Wir erkennen das Wissenschaftliche somit als einen Produktions- und Organisationsprozess von Dokumenten, durch den Einzelerkenntnisse zuerst zu einem Erkenntnisnetz verknüpft und im weiteren zu einem festen Erkenntnisgeflecht verdichtet werden. Im organisierenden Knüpfen und Flechten dieses Geflechts organisiert sich nicht nur das Wissen der Forschergemeinschaft, auch die zulässigen Verfahren des Knüpfen und Flechtens selbst werden darin bestimmt. Das Produkt dieses Prozesses ist zweistufig: Es ist zuerst die neue Einzelerkenntnis, die mit ihrer Formulierung im Zeitschriftenartikel auch den Vorschlag ihrer Anbindung an das bestehende Erkenntnisgeflecht enthält, und sodann das stabile Geflecht der Einzelerkenntnisse. Dort, wo dieses Geflecht so dicht ist, dass es ein homogenes und nahezu unzerstörbares Gewebe bildet, sprechen wir vom gesicherten Wissensstand einer Wissenschaft.

Das Wissenschaftliche ist ein Produktions- und Organisationsprozess, der mit seinem Produkt zugleich seine eigenen Normen der zulässigen Produktions- und Organisationsverfahren hervorbringt. Deshalb ist Wissenschaft notwendig ein gemeinschaftliches Unternehmen, denn die Verbindlichkeit der Normen wird durch die Akzeptanz des einzelnen Produktionsergebnisses durch die Anderen hergestellt, die sich dadurch zeigt, dass diese wiederum an das Ergebnis anknüpfen.

Was für einen Begriff des Wissenschaftlichen haben wir auf diese Weise gefunden? Der Begriff bezeichnet etwas, was wir in den Ergebnissen eines Tuns vorfinden, in Produkten, die als wissenschaftliche bezeichnet werden und die wir betrachten können ohne dass wir die Produzenten selbst zu Gesicht bekommen. Dies sind im Falle des Wissenschaftlichen Texte: Zeitschriftenartikel, Zeitschriften, Lehrbücher, Sammelbände, Überblicksdarstellungen, populäre Erklärungen in Sachbüchern oder Zeitungsartikeln. Durch das bloße Betrachten dieser Dokumente haben wir das Wissenschaftliche aber noch nicht verstanden. Erst wenn wir fragen, wie wir uns das Zustandekommen und das Neuauftauchen dieser Produkte erklären können, wenn wir aus den Produkten heraus ihrem Produktionsprozess auf die Spur kommen, gewinnen wir einen Begriff des Wissenschaftlichen. Wir haben gesehen, dass es nützlich ist, dabei das Tun der Wissenschaftler selbst zu beobachten, oder Beschreibungen solcher Beobachtungen zu Rate zu ziehen, um etwas Wiederkehrendes, durchgängig Sichtbares in den Einzeldarstellungen aufzufinden. Aber auch diese Berichte von der Arbeit der Wissenschaftler müssen uns nicht direkt auf die Spur des Wissenschaftlichen bringen, sie können, durch Konzentration auf gewisse Einzelheiten, diesen Weg sogar versperren. Es ist erstaunlich, dass der Begriff des Wissenschaftlichen, den wir gewonnen haben, weder den Begriff der Theorie, noch den des Experiments enthält, Begriffe, die doch in wissenschaftstheoretischen und -philosophischen Untersuchungen der letzten Jahrzehnte eine wichtige Rolle spielten. Unser Begriff des Wissenschaftlichen erlaubt jedoch eine Beschreibung sowohl der Theoriendynamik als auch der Experimentalsysteme als wissenschaftliche Produktions- und Organisationsprozesse.

Ist der Begriff des Wissenschaftlichen, den wir so gefunden haben, ein zeitloser Begriff, mit dem sich für jede Epoche der menschlichen Zivilisation, wenigstens für die westliche Zivilisation der letzten 2500 Jahre das Wissenschaftliche bestimmen ließe? Offensichtlich nicht: Das Wissenschaftliche, so wie wir es hier bestimmt haben, hat es noch zu Beginn der Neuzeit nicht gegeben. Wir müssen uns, wie schon in der Einleitung formuliert, auf die Zeit der letzten Jahrzehnte beschränken, auf die kulturelle Konstellation, die wir als Spätmoderne bezeichnen können.

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