Was ist Phänomenologie?

Die Methode, die wir hier verwenden, ist die der Phänomenologie, und damit eigentlich eine spezielle Vorgehensweise innerhalb der Philosophie. Es ist bekannt, dass es auch andere Weisen des Philosophierens gibt. Als Phänomenologe ist man davon überzeugt, dass die Phänomenologie eine Methode ist, die die einzige ist, die akzeptiert, dass sie nicht empirisch ist, und dennoch nicht frei schwebt. Denn sie findet ihr Material im Denken, auf das sie denkend reflektiert, im Sprechen, das das Denken kommunizierbar macht, und im Handeln, das sich durch das Denken vom bloßen Verhalten unterscheidet. Die Phänomenologie ist nun eine bestimmte Methode, diese drei zum Gegenstand zu nehmen, und die besteht, kurz gesagt, darin, dass wir an einem konkreten Fall, ob ausgedacht oder real, etwas einsichtig machen, etwas wesentliches, grundsätzliches sichtbar machen. Man nennt diese Schlussweise intuitiv, die Schlussform also die Intuition. Aus der formalen Logik sind die Deduktion und die Induktion bekannt. Bei der Deduktion, die die formalen Logiker als einzige wirklich sichere Schlussform ansehen, wird von etwas Allgemeinem auf den Einzelfall gefolgert. Bei der Induktion, die wir im Alltag oft anwenden, folgert man aus einer großen Zahl von Fällen auf den nächsten Fall und genau genommen auf das Allgemeine. Bei der Intuition hingegen folgern wir aus einem Einzelfall auf das Wesen einer Sache, auf das Allgemeine, das sich in diesem Einzelfall zeigt. „Was ist Phänomenologie?“ weiterlesen

Die Logischen Untersuchungen. Husserls Weg zur Wesenserkenntnis

Edmund Husserl hat seine phänomenologische Methode in einem Zeitraum von fast vier Jahrzehnten entwickelt. Sein Werk enthält neben konkreten phänomenologischen Analysen immer wieder Überlegungen zur Methode selbst. Das hat zwei Gründe. Zum einen ging Husserl davon aus, dass seine Methode den meisten seiner Leser fremd war. Nur durch umfangreiche Erläuterungen schien es Husserl möglich, die eigentlichen Untersuchungen und Ergebnisse verständlich zu machen. Dies wurde ihm durch die Erfahrung bestätigt, dass die Werke und ihre Resultate durch die Leser und Kritiker immer wieder missverstanden und falsch interpretiert wurden. Deshalb schien es Husserl nötig, seine Methode immer wieder auf neue Weise ausführlich zu erläutern. Zum anderen entwickelte Husserl seine Methode im Laufe der Zeit weiter, weil er bemerkte, dass er bei konkreten Analysen an Grenzen stieß. „Die Logischen Untersuchungen. Husserls Weg zur Wesenserkenntnis“ weiterlesen

Husserl und Heidegger (ein Vorwort)

Im Jahr 1946 notiert Martin Heidegger:  „Der phänomenologische Ruf ‚zu den Sachen selbst’, nämlich entgegen dem Erfinden von Theorien und Verrechnen von Ansichten, bleibt in der Geschichte des Denkens ein unverlierbares Verdienst. Doch dieser Ruf trägt nicht weit genug; er wird sogar leicht zur Gefahr, daß in der phänomenologischen Auslegung und Beschreibung das Denken ausbleibt.“[1] Heidegger kennzeichnet sein eigenes Denken hier in der Tradition der Phänomenologie seines Lehrers Edmund Husserl, glaubt aber gleichzeitig, weit über diese Position hinausgehen zu müssen und auch weit darüber hinaus zu gehen. „Husserl und Heidegger (ein Vorwort)“ weiterlesen